Fachartikel für die Kanzleiwebsite mit KI schreiben: Wer prüft, ob fachlich alles stimmt?
Die Prüfung bleibt bei einem Berufsberechtigten der Kanzlei, und zwar Satz für Satz bei allen fachlichen Aussagen. Eine KI kann einen gut lesbaren Entwurf liefern, aber Rechtsstand, Beträge und Ausnahmen falsch wiedergeben. Am sichersten ist es, wenn die fachlichen Aussagen von Anfang an von der Kanzlei kommen und der Entwurf nur formuliert.
In Kürze
- Sprachmodelle formulieren überzeugend, auch wenn der Inhalt veraltet oder falsch ist.
- Typische Fehler betreffen Beträge, Stichtage, Ausnahmen und deutsches statt österreichisches Recht.
- Der Inhalt sollte aus der Kanzlei kommen, der Entwurf nur die Formulierung liefern.
- Jede fachliche Aussage braucht eine Prüfung durch einen Berufsberechtigten vor der Veröffentlichung.
Fachartikel auf der eigenen Website zeigen Mandanten und Interessenten, wofür eine Kanzlei steht. Sie zu schreiben, kostet allerdings Zeit, die in der Kanzlei knapp ist. Eine KI kann beim Formulieren helfen. Die fachliche Verantwortung bleibt bei der Kanzlei, und die Prüfung muss jemand machen, der den Stoff beherrscht.
Welche Fehler machen KI-Entwürfe bei Steuerthemen?
Ein Sprachmodell, also ein Programm, das Texte versteht und formuliert, hat aus einer riesigen Menge Text gelernt. Österreichisches Steuerrecht ist darin ein kleiner Teil, deutsches Steuerrecht ein großer. Daraus ergeben sich typische Fehlerquellen:
| Fehler | Beispiel |
|---|---|
| Deutsches statt österreichisches Recht | Begriffe oder Regeln aus dem deutschen Einkommensteuerrecht im österreichischen Kontext |
| Veralteter Stand | Beträge oder Grenzen aus früheren Jahren |
| Fehlende Ausnahmen | eine Regel wird als allgemein dargestellt, obwohl sie nur für bestimmte Fälle gilt |
| Erfundene Fundstellen | ein Paragraf oder eine Richtlinienrandzahl, die es so nicht gibt |
| Zu sichere Formulierung | „Sie können immer …“, wo es auf den Einzelfall ankommt |
Gefährlich ist weniger der offensichtliche Fehler als der plausible. Ein Text, der flüssig klingt, wird leicht weniger genau gelesen.
Wie vermeidet man solche Fehler von vornherein?
Indem man die Rollen klar trennt: Den Inhalt liefert die Kanzlei, die KI liefert die Formulierung. Bei der Content-Automatisierung von Goma-IT ist das der Ausgangspunkt. Ein Berufsberechtigter spricht oder schreibt die fachlichen Kernaussagen, etwa: Was ändert sich, für wen gilt es, worauf muss man achten. Der Entwurf ordnet und formuliert diese Aussagen, statt eigenes Wissen hinzuzufügen.
Ein Beispiel: Ein Steuerberater spricht nach einer Fortbildung fünf Minuten über eine Neuerung ein, die viele seiner Vermietungsmandanten betrifft. Der Entwurf macht daraus einen gegliederten Artikel mit Zwischenüberschriften und einer kurzen Zusammenfassung. Was fachlich drinsteht, stammt aus seiner Aufnahme.
Wie sieht eine gute Prüfung aus?
Am besten in zwei Durchgängen:
- Fachlich: Jede Aussage mit Betrag, Stichtag, Voraussetzung oder Rechtsfolge wird mit der Quelle abgeglichen. Was sich nicht belegen lässt, wird gestrichen oder vorsichtiger formuliert.
- Für Leser: Versteht ein Mandant ohne Vorwissen, was gemeint ist? Ist klar, dass der Artikel keine Beratung im Einzelfall ersetzt?
Hilfreich ist, wenn der Entwurf fachliche Aussagen, die nicht aus der Vorlage der Kanzlei stammen, sichtbar markiert. So weiß die prüfende Person, wo sie besonders genau hinsehen muss.
Wer haftet für einen falschen Fachartikel?
Wer den Artikel veröffentlicht, verantwortet ihn, unabhängig davon, wie er entstanden ist. Ob und wie eine Kanzlei für allgemeine Informationen auf ihrer Website einsteht, ist eine rechtliche Frage, die dieser Artikel nicht beantwortet. Ein klarer Hinweis, dass der Text allgemein informiert und keine Beratung im Einzelfall ersetzt, ist in vielen Kanzleien ohnehin üblich.
Wie hält man ältere Artikel aktuell?
Ein Fachartikel, der heute stimmt, kann nach der nächsten Gesetzesänderung falsch sein. Hilfreich ist ein Datum am Artikel, das zeigt, auf welchem Stand er beruht, und eine einfache Liste, welche Artikel welche Themen behandeln. Ändert sich etwas, sieht die Kanzlei auf einen Blick, welche Texte betroffen sind. Die Überarbeitung kann wieder mit einem Entwurf beginnen, der die neue Rechtslage aus der Vorgabe des Berufsberechtigten einarbeitet.
Lohnt sich das dann überhaupt?
Ja, wenn die Zeit vorher beim Formulieren lag und nicht beim Fachlichen. Für viele Berufsberechtigte ist das Erklären einer Neuerung im Gespräch eine Sache von Minuten, der fertige Text aber eine Stunde Arbeit am Abend. Diesen Teil übernimmt der Entwurf. Die Prüfung bleibt, sie ist aber schneller erledigt als das Schreiben.
Wie der ganze Ablauf vom eingesprochenen Gedanken bis zum freigegebenen Text aussieht, beschreibt die Seite zur Content-Automatisierung für Steuerkanzleien.
Häufige Fragen
Muss ein KI-Entwurf auf der Website als KI-Text gekennzeichnet werden?
Das hängt davon ab, wie der Text entsteht und ob ein Mensch ihn redaktionell prüft und verantwortet. Die Frage sollte die Kanzlei für ihre Website allgemein klären, im Zweifel mit Rechtsberatung.
Kann die KI auch die Quellen für einen Fachartikel heraussuchen?
Sie kann Hinweise geben, aber die Quellen selbst müssen geprüft werden. Sprachmodelle nennen gelegentlich Fundstellen, die es so nicht gibt. Zitiert werden sollte nur, was jemand in der Kanzlei selbst nachgeschlagen hat.